Angina tonsillaris: Diagnose
Angina acuta
- Häufige Erkrankung, deren Ätiologie oft unklar bleibt.
- Zunächst genuine Angina (meist Infekt durch ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A) von einem banalen katarrhalischen Virusinfekt (z.B. Pharyngitis, Grippe) abgrenzen: bei genuiner Angina neben bilateraler Tonsillitis regionäre Lymphadenitis und Fieber.

Symptome
Leitsymptome:
- Schmerzhafter Rachen, Lokalbefund (Stippchen bei Fehlen von Belegen sowie Rötung der Tonsillen)
- Schwellung der vorderen zervikalen Lymphknoten
- Scarlatiniformes Exanthem
- Aprupt hohes Fieber (über 38,5° C) mit Schüttelfrost
- Bei Kindern häufig abdominelle Schmerzen mit Erbrechen ohne Diarrhoe
Andere Symptome:
- Schluckbeschwerden
- Kopfschmerz
- Kein Husten
- Keine Rhinitis
- Typisches Exanthem und Enanthem bei Scharlach (s. Scharlach)
Diagnose
- Hauptschwierigkeiten in der Diagnosestellung: Klinische Kriterien können nicht ausreichend zwischen einer viralen und bakteriellen Infektion unterscheiden. Treffsicherheit, eine A-Streptokokken-Angina aufgrund klinischer Kriterien zu diagnostizieren bei max. 70%
- Schnelltest zum Antigennachweis
Komplikationen
- Lokale eitrige Komplikationen: Lymphadenitis, Peritonsillarabszess (s. unten), Retropharyngealabszesse
- Mögliche ernste Spätkomplikationen bedingt durch A-Streptokokken: akutes rheumatisches Fieber, Glomerulonephritis, Endokarditis; deshalb effiziente Eliminierung der A-Streptokokken notwendig (10-Tages-Therapie mit Penicillin als WHO-Empfehlung)
Einseitige Tonsillitis
- Intratonsillarabszess, Peritonsillitis, Peritonsillarabszess (s. unten)
- Tonsillitis Plaut-Vincenti (s. unten)
- Beim Erwachsenen: Karzinome, Sarkome, Leukosen, Syphilis, Tuberkulose
Bilaterale Angina
- Katarrhalische Angina: Rötung und Schwellung der Tonsillen
- Follikuläre Angina: Stippchen über den Krypten
- Lakunäre Angina: Rötung und konfluierende fibrinöse Beläge. Erreger: meist ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (verantwortlich für Scharlach, Glomerulonephritis) vor allem bei starken Allgemeinsymptomen ohne wesentliche Mitbeteiligung der übrigen Schleimhäute des Respirationstraktes. Selten Staphylokokken, Branhamella catarrhalis, Haemophilus influenzae (bei Erwachsenen Neisseria gonorrhoeae, bis zu 6% !). Häufig Viren (Rhinoviren, Coronaviren, Adenoviren).
- Tonsillitis bei Mononucleosis infectiosa (s. Lymphknotenschwellungen, entzündliche)
Nekrotisierende Tonsillitis
Häufig bei Leukosen, Agranulozytosen und anderen Bluterkrankungen
Pseudomembranöse Angina
- Sofortige antidiphtherische Serumtherapie indiziert, ohne das Ergebnis des Rachenabstriches abzuwarten.
- Beläge überschreiten die Tonsillen
Peritonsillarabszess
Ursachen
- Gewöhnlich Folge einer akuten Tonsillitis
- von kapselnahen Krypten, selten von entzündlichen Zahnerkrankungen ausgehend
Lokalisation
- Lateral vom oberen Tonsillenpol (weitaus am häufigsten)
- Retrotonsillär zur hinteren Pharynxwand hin
- Lateral vom unteren Tonsillenpol
Symptome
- nach manchmal einseitiger Tonsillitis Persistieren der erhöhtenTemperatur
- zunehmende heftige, einseitige Schmerzen, die zum Ohr ausstrahlen
- Sprache kloßig, häufig Kieferklemme
- behinderte, schmerzhafte Nahrungsaufnahme
- Fieber
- Foetor ex ore
Diagnostik
Untersuchungsbefund:
- häufig durch Trismus erschwert;
- Wahrscheinlichkeit der richtigen Diagnose (Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Infektion) durch Klinik und physikalische Untersuchung nur 50%!
- Meist Rötung und massive Vorwölbung des vorderen Gaumenbogens
- Mehr oder weniger starke Rötung und Schwellung einer Tonsille
- Schwellung und Verdrängung des Gaumensegels
- Häufig Uvulaödem und entzündliche Schwellung der Seitenstränge. Im Gegensatz dazu sind bei tiefsitzenden Abszessen die Entzündungserscheinungen im Tonsillenbereich gering. In diesen Fällen ist jedoch das Herabdrücken der Zunge sehr schmerzhaft und die Epiglottis und der Larynxeingang nicht selten ödematös geschwollen.
- Entweder vergrößerte, druckschmerzhafte Lymphknoten unterhalb des Kieferwinkels, in der Halsgefäßscheide oder diffuse schmerzhafte Weichteilschwellung unterhalb des Kieferwinkels oder retromandibulär.
Laboruntersuchungen:
- Rachenabstrich
- Schnelltest auf Gruppe A-Streptokokken
- Kultur: Bei typischer Klinik und negativem Schnelltest; bei rezidivierenden Infekten; bei Erwachsenen Screening auf Gonokokken
- Anti-Steptolysin-O-Titer (ASLO) indiziert bei rezidivierenden Infekten (in der Akutphase nicht verwertbar)
- Blutbild: neutrophile Leukozytose mit Linksverschiebung
- Urin: Untersuchung auf Eiweiß (akute Glomerulonephritis)
- Diagnostische Schwierigkeiten bestehen bei beidseitigen Peritonsillarabszessen und bei Kindern.
Verlauf
meist rezidivierend
Tonsillitis ulcerosa
(Syn.Tonsillitis ulceromembranacea, Angina Plaut-Vincenti)
- Überwiegend Einzelfälle.
- Gruppenerkrankungen in Familien, Anstalten und Wohnheimen möglich.
- Befällt vorwiegend Männer (18 bis 35 J.).
- Meist einseitig, Pathogenese unklar.
Erreger
Fusobacterium nucleatum in Symbiose mit Treponema vincenti

Symptome
- einseitige Schluckschmerzen
- subfebril
- Foetor ex ore
Diagnostik
Untersuchungsbefund:
erkrankte Tonsille mit einem graugelblichen, fötiden Belag überzogen, darunter tiefe Geschwüre mit schmierigem Grund
Nativabstrich:
fusiforme Bakterien und Spirillen (da die kombiniert auftretenden Erreger zur normalen Flora der Mundhöhle gehören, ist nur massives Vorkommen beweisend)
Syphilitischer Primäraffekt
Symptome
- Vergrößerte und derbe Tonsille mit Rötung und speckiger Erosion.
- Indolente Schwellung der regionären Lymphknoten
Herpangina
Erreger
Symptome
Beginn mit Schüttelfrost oder hohem Fieber, starke Halsschmerzen
Diagnostik
Untersuchungsbefund:
zunächst Rötung, dann Bläschenbildung vorzugsweise im Bereich der vorderen Gaumenbögen, des Gaumensegels, der Uvula und des weichen Gaumens und schließlich Ulzerationen, die an Aphthen erinnern, evtl. gleichzeitig Stomatitis.
Blutbild:
Lymphozytose
Dauer der Erkrankung
1-2 Wochen
Letztes Update:27 Januar, 2009 - 21:08









